Vier Jahre BiSa – Jahresbericht 2013

Vermutlich sagen wir alle, wenn wir diesen Bericht sehen: „Schon wieder ein Jahr vergangen!“ Für BiSa wieder ein erfreulich erfolgreiches Jahr. Dafür möchte ich gleich zu Beginn allen danken, die sich für BiSa engagieren, sei es ehrenamtlich, sei es als Sponsoren oder als zuverlässige Kooperationspartner. Auf niemand in dieser Aufzählung können wir verzichten, denn alle haben zum Erfolg beigetragen. Zur Erinnerung: Im Dezember 2009 begannen wir mit 13 Ehrenamtlichen Kinder an der Brötzinger – und Nordstadtschule zu fördern. Jetzt haben wir etwas über 100 Ehrenamtliche (Seniorinnen, Senioren, Berufstätige, StudentInnen, 2 Auszubildende der BW-Bank, 1 Gymnasiastin) und sind an folgenden Schulen:

  • Brötzinger Schule
  • Buckenbergschule
  • Maihäldenschule
  • Nordstadtschule
  • Osterfeldgrundschule
  • Südstadtschule

BiSa arbeitet mit diesen Schulen sehr gut zusammen. Bedauerlicherweise kam die Lese-AG an der Inselreal-/Inselgrundschule nicht mehr zustande. Es liegt weniger an den RealschülerInnen, sondern mehr daran, dass die sehr engagierte Lehrerin der Realschule es nicht weiter allein machen konnte. Das ist verständlich. RealschülerInnen, die ich später auf der Straße traf, äußerten ihre Begeisterung mit der gemachten Erfahrung und bedauerten, dass es keine Fortsetzung dieser AG gibt. BiSa hatte zwar eine Begleiterin dafür zur Verfügung gestellt, aber es hätte noch eine andere Lehrerin der Inselgrundschule bereit sein müssen, die AG zu begleiten. Diese Ressource hatte die Inselgrundschule leider nicht. Von der Hochschule erhalten wir jede Unterstützung, gleich ob Dozenten, Asta oder anderen Organisationen, die dort aktiv sind. Zum ersten Mal haben wir auch StudentInnen von der Hochschule für Gestaltung (13). Insgesamt haben sich 50 StudentInnen gemeldet, die überwiegend an der Buckenberg- und Südstadtschule sind. Je nachdem, wo sie wohnen oder ob sie ein Auto haben, kann ich sie auch an die Maihälden-, Nordstadt- und Osterfeldschule vermitteln, immer im Grundschulbereich. Nachdem ich hörte, dass immer öfter Kinder in Klassen sitzen, die so gut wie kein Deutsch sprechen, ließ ich über die Asta einen Aufruf machen nach polnischen, portugiesischen, russischen Studenten und hatte Glück. Wir konnten allen LehrerInnen und damit vor allem den Kindern helfen. Ich glaube, wir können es uns gar nicht vorstellen, wie das für ein Kind schrecklich sein muss, sich plötzlich in einem fremden Umfeld zu befinden und absolut nichts zu verstehen. Auch mit der Freiwilligen Agentur machen wir die besten Erfahrungen. Frau Poignée und Frau Hauser suchten über einen Artikel in den Zeitungen nach Lesepaten für uns. Offensichtlich trauen sich das Frauen und Männer eher zu als wenn wir um Schulpaten werben. Bei den persönlichen Gesprächen stellte sich schnell heraus, dass durchaus die Bereitschaft und Fähigkeit bestand, mit Kindern zu lesen, vorzulesen, nacherzählen zu lassen, Verständnisfragen zu stellen, Wortschatzerweiterung vorzunehmen, kurz zu fördern. Dadurch kamen 10 neue Ehrenamtliche zu BiSa (sogar ein Ehepaar ist darunter). Hier meldete sich zuerst die Frau, aber als zum Gespräch an der Maihäldenschule auch der Ehemann dabei war, fragte ich ihn gleich: „Hätten Sie nicht auch Lust!“ „Warum nicht?“, war die Antwort. Und beiden macht es Spaß. Um den Neuen den Einstieg zu erleichtern, luden wir sie zu einem Gespräch ins Café Prosa in der Stadtbücherei ein, zusammen mit den „erfahrenen Ehrenamtlichen“. Ein Nachmittag zum Kennenlernen und Gedankenaustausch. Bei etwas mehr als 100 Ehrenamtlichen bedeutet das nicht, dass nur genau so viele Kinder in den Genuss der Förderung kommen. Wir haben Schulpaten, die morgens in der Nordstadtschule Kinder fördern, dann in der Osterfeldschule in einer Klasse vorlesen und nachmittags ebenfalls in der Osterfeldschule einzelne Kinder wieder fördern. Andere sind morgens an der Schule, um Kinder, die z.B. besondere Unterstützung in Deutsch benötigen, während des Unterrichts zu begleiten, nachmittags ein Kind dieser Klasse zu fördern und sich bei Bedarf um die Familie kümmern. Für eine andere Familie ist die Schulpatin der gute Geist und die Ansprechpartnerin für jede Art von Kümmernissen, z. B. wie erhalten die Kinder vergünstigte Fahrkarten, was machen bei einer Wohnungskündigung und natürlich, wie eine Wohnung für eine große Familie finden? Kurz, sie ist da für alle Fragen, die auftauchen können. Eine Schulpatin fördert ihr Kind zwei Mal in der Woche, der andere Schulpate hilft einem polnischen Kind fast täglich, damit es den Anschluss an den deutschen Unterricht schafft. Eine andere Schulpatin wollte nur einem Kind in der ersten Klasse helfen. Jetzt lernte sie zwei Mädchen der 2. Klasse kennen, die ganz begeistert von ihr sind und schon wird sie alle Kinder zu unterschiedlichen Zeiten unterstützen. Ursprünglich sollte ich 2 Kinder übernehmen. Dann kam die Schwester mit, dann die Freundin, dann noch zwei weitere Kinder. Allerdings holte ich mir Hilfe von anderen Schulpaten ins Boot, weil oft auch Mathematik erklärt werden muss. Und alles gleichzeitig, ist nicht möglich. Bei dieser Förderung hatte ich ein nettes Erlebnis: „Einem Mädchen, das sich schwer tut im Lesen, stellte ich eine Frage. Sie fragte zurück: „Darf ich nachdenken?“ Diese oder ähnlich nette Erfahrungen machen wir alle. Das sind nur kleine Einblicke, die ich unendlich verlängern könnte. Wo kann BiSa noch unterstützen? Die Osterfeldschule hatte keine Bücher, um sie an Kinder zum Lesen zu verleihen. So fragte BiSa beim Beltz-Verlag an. Diese bieten kostengünstige Bücher an, die nicht mehr preisgebunden sind. So konnte diesem Bedürfnis leicht abgeholfen werden. Die Theater-AG an der Osterfeldgrundschule können wir dank seiner Spende durch die Baugenossenschaft Arlinger noch ein Jahr finanzieren. 19 Kinder haben sich angemeldet. Herr Krosely, Schauspieler, brachte es nicht über sich, ein Kind abzuweisen. Das eine oder andere wird vielleicht auch nicht durchhalten. Deshalb ist diese Entscheidung sicher richtig. Schon jetzt höre ich von Seiten der Schule, dass Herr Krosely ein richtiger Glücksgriff war. BiSa durfte sich beim Lions-Club Pforzheim-Enz vorstellen, um über seine Arbeit zu berichten. Die Mitglieder konnten von der Wichtigkeit flankierender Maßnahmen überzeugt werden. Wir erhielten vom Lions-Clubs Pforzheim Enz eine Spende und beginnen gleich nach den Weihnachtsferien eine Theater-AG an der Maihäldenschule an. Dafür konnten wir wieder Herrn Krosely gewinnen. Dass wir zum Schluss interessierte Mitglieder des Lions-Clubs zur Aufführung einladen werden, ist selbstverständlich. Auch der Rotary-Club hat signalisiert, dass wir uns dort im neuen Jahr vorstellen dürfen. Flankierende Maßnahmen wirken sich besonders unterstützend auf die Entwicklung von Kindern aus. BiSa legt immer Wert darauf, dass in diesen AG´s viele Kinder sind, die bereits von BiSa gefördert werden, damit sie lernen, sich auszudrücken, ihr Selbstbewusstsein gestärkt wird, Teamgeist sich herausbildet und dies sich auch auf die schulischen Leistungen positiv auswirkt. Nach unserer Meinung ist es besser, intensiver weniger zu fördern und wenn diese „flügge“ geworden sind, uns anderen zuzuwenden.   Dank einer zusätzlichen Spende der Sparkasse Pforzheim können wir über weitere flankierende Maßnahmen nachdenken. Die meisten Kinder, die wir fördern, kommen aus Migrantenfamilien, also mit einem anderen kulturellen Hintergrund und auch anderen Sitten und Gebräuchen. Deshalb möchten wir uns erkundigen, ob es möglich ist, 4. Klassen einen Besuch in einem Restaurant zu ermöglichen, damit sie lernen, wie ein Tisch zu decken ist, welche Tischmanieren angebracht sind und wie sie sich an einem Tisch zu benehmen haben. Es muss bei uns nicht das Park-Hotel sein, sondern wir hören uns um, welches Restaurant sich sonst noch dafür eignen könnte. Obwohl BiSa bereits stark vertreten ist, besteht immer noch Bedarf an den Schulen, an denen wir sind. Wir können weiterhin nur hoffen, dass sich weitere Schulpaten bei uns melden. Was alle Schulpaten leisten, kann gar nicht genug gewürdigt werden. Sie fördern nicht nur ihr Kind, sondern geben Kindern auch Zuwendung, Selbstvertrauen und die verbesserten Noten in der Schule spornen die Kinder an. Deshalb noch einmal meinen besonderen Dank an dieser Stelle an alle, die sich mit viel Herz bei BiSa einbringen Ein Mail von einer Studentin erhielt ich heute: „Hallo Frau Gros, ich bin seit letztem Sommersemester Patin einer 10-jährigen Schülerin der Maihädenschule mit türkischem Migrationshintergrund. Die Zusammenarbeit mit ihr macht mir unheimlich Spaß und ist sehr bereichernd. Anfangs haben wir uns mit ihr in der Schule getroffen, mittler-weile treffen wir uns bei ihr Zuhause. Ich habe meinen Schützling als ein sehr schüchternes Mädchen kennengelernt, sie hat wenig erzählt und war extrem ruhig. Mit der Zeit hat sie sich immer mehr geöffnet, Vertrauen gefunden und mittlerweile redet sie wie ein Wasserfall. Ich denke, die Unterstützung tut ihr richtig gut und auch für mich ist es ein ganz tolles Gefühl. Ich kann nur Positives berichten.“ Herzliche Grüße Jasmin“ Dieses Mail sagt doch mehr als alles, was ich sagen kann. Und es ist nur eines von vielen, die ich erhalte. Dieses Jahr boten wir zusätzlich zu den Fortbildungen für den Grund-, Hauptschulbereich und die StudentInnen Tagesseminare zur Sprachförderung an. Immer mehr Kinder aus z.B. Bulgarien, Irak, Italien, Portugal, Pakistan sitzen in den Klassen ohne Deutschkenntnisse. Damit können wir die SchulpatInnen nicht allein lassen. Das Interesse an diesen Fortbildungen zur Sprachförderung zeigt, wie groß der Bedarf ist. Was passierte noch bei BiSa? Das Sportstacking Turnier! Auch dieses Jahr unterstützten Schulpaten von BiSa Ruben Kehl beim Sportstacking Turnier. Die Trommel-AG an der Osterfeldgrundschule wird weitergeführt. Die Werbung für BiSa in 10 Stadtbussen ist immer noch auf den unterschiedlichsten Linien zu sehen. Danke, Herr Demmel, bei den Verkehrsbetrieben. Die beste Werbung ist ohne Zweifel die Mund zu Mund Propaganda. Die Werbung an den Hochschulen vor Vorlesungen ist erfolgreich. Wenn Stiftungen, Organisationen sich vorstellen, ist BiSa immer dabei und der Erfolg zeigt sich in den steigenden Zahlen der StudentInnen. Ein erfolgreiches Jahr, auch ein anstrengendes Jahr, können wir alle sagen. Der größte Lohn ist für mich, wenn ich positive Rückmeldungen erhalte. Und ich kann mich nur der Aussage im Pisa-Bericht anschließen. Fördern, fördern, fördern von Kinder in Migrantenfamilien und bildungsfernen Familien. Und BiSa ist ein kleiner Baustein dabei. Unser BiSa-Fest als Dankeschön für unsere Ehrenamtlichen wird am 23.01.2014 stattfinden, wieder im Goldenen Anker. Auch dieses Mal kann ich nur sagen: Danke, danke, danke an alle. An alle Ehrenamtlichen, alle Sponsoren, alle RektorInnen und LehrerInnen, alle SchulsozialarbeiterInnen. Nur durch diese Zusammenarbeit kann BiSa so erfolgreich sein und ich hoffe, wir können auch in Zukunft weiterhin so gute Arbeit leisten.   04.12.2013