PZ, 2020 Mai, Lesepaten vermissen ihre Schützlinge

Corona-Krise hat Ehrenamtliche von BiSa und Schüler getrennt. Das ist schmerzhaft, doch es herrscht Zuversicht.

Nicola Arnet | Pforzheim

Für die Lesepaten ist es eine schwierige Zeit. „Sie vermissen ihre Kinder sehr“, sagt Birgit Hattich. Die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Bürger in der Schule aktiv (BiSa) hat zahlreiche solcher Rückmeldungen bekommen.
Vor der flächendeckenden Schulschließung haben sich die rund 230 meist älteren Ehrenamtlichen um etwa 280 Jungen und Mädchen in Pforzheimer Bildungseinrichtungen gekümmert, ihnen vorgelesen, bei den Hausaufgaben geholfen, Diktate vorbereitet oder Matheaufgaben erklärt. Doch das gibt es in Zeiten von Corona nicht mehr.

Nicht nur wegen der noch immer für viele Kinder geschlossenen Schulen. Sondern auch wegen der Kontaktsperre, zumal die Ehrenamtlichen bei BiSa fast alle zur Risikogruppe gehören. „Da gab es am Anfang schon Ängste, aber mittlerweile habe ich so viele positive Rückmeldungen bekommen“, sagt die Vorsitzende Lilli Gros.

Doch nicht nur die Ehrenamtlichen leiden unter der Situation. Gerade die Jungen und Mädchen, die sonst von den Lesepaten von BiSa betreut werden, drohen zu Verlierern der Corona-Krise zu werden. Oftmals leben sie in beengten Verhältnissen, es fehlt an technischer Ausstattung für die Beschulung zu Hause, und die Eltern können ihren Kindern nicht bei den Aufgaben helfen. Es sei nicht so, dass diese desinteressiert an der Bildung des Nachwuchses seien, sagt Gros: „Aber wenn die Eltern der Sprache nicht mächtig sind, können sie auch nicht genügend unterstützen.“ Schließlich habe die große Mehrheit der Jungen und Mädchen Migrationshintergrund. Und diese bräuchten eben die direkte Ansprache. Zwar haben einige Lesepaten versucht, mit digitalen Medien den Kontakt zu halten. Doch das wurde zwischenzeitlich wieder eingestellt. „Die Kinder brauchen jemanden zum Anfassen“, sagt Gros.

Daher weiß sie auch, dass es für ihre Schützlinge schwierig werden wird, wenn der Schulbetrieb wieder startet – zumal von Normalität wahrscheinlich lange keine Rede sein kann. „Ich hoffe aber dennoch, dass die Kinder schnell wieder lernen und auch aufholen“, sagt Gros. Und dies mit Hilfe: Schließlich seien die Lesepaten bereits in der Vergangenheit oft bereit gewesen, viel mehr Zeit mit „ihren Kindern“ zu verbringen, als eigentlich gedacht. Statt einmal pro Woche eine Stunde hätten sich die Ehrenamtlichen auch zwei bis drei Stunden engagiert und mehrere Kinder betreut.

Auch um die Zukunft von BiSa selbst macht sich die Vorsitzende keine Sorgen, auch wenn manche Ehrenamtlichen aufgrund des Alters in näherer Zukunft ausscheiden würden. Selbst nach der Schulschließung hat Gros noch Anfragen von Interessierten erhalten, die gerne bei BiSa mitarbeiten würden. Daher ist ihr nicht bange. Trotz der vielen offenen Fragen. Denn keiner wisse, wie und wann es in den Schulen weitergehe und ob und wie man dort dann vielleicht mit Maske und Abstand unterstützen könne.

„Wir müssen es abwarten“, sagt Gros. Doch auch wenn sich die Verantwortlichen eher auf eine lange Zeit einstellen, in der es nicht mehr so läuft wie bisher: „Es wird weitergehen, und wir stehen parat“, sagt Hattich.