Anke (Studentin)

Guten Abend Frau Gros,

seit Oktober 2013 bin ich wöchentlich 1 3/4 – 2h bei Vanessa. Zu Beginn erzählt sie mir in der Regel erst was sie in den letzten Tagen im Unterricht gemacht hat oder von sonstigen Ereignissen, die ihr besonders wichtig waren. Anschließend schauen wir uns gemeinsam ihr Hausaufgabenheft an. Dabei lasse ich sie im Buch die Aufgaben vorlesen und erklären, um festzustellen, ob sie die Aufgabenstellung verstanden hat. (Ganz am Anfang hatte sie immer gemeint, sie könne die Aufgabe nicht lösen. Nach dem Durchlesen der Aufgabenstellung hatte sich herausgestellt, dass sie oft nur ein paar Wörter nicht verstanden hatte). Inzwischen weiß sie jedoch fast immer was zu tun ist und hat meistens auch schon mit den Hausaufgaben begonnen, bevor ich zu ihr komme (wozu sie in den ersten Wochen noch nicht in der Lage war).

Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass ich ihr in der kurzen Zeit nicht viel beibringen kann. Gerade in Mathe sind wir manchmal nicht einmal mit den Hausaufgaben fertig geworden. Auch in Deutsch hatte sie erst große Probleme, da sie sehr langsam schrieb und immer wieder Fehler machte. Was wiederum dazu führte, dass sie keinen Spaß am Schreiben hatte und sich nach wenigen Wörtern schon nicht mehr richtig konzentrierte. In dieser Phase haben wir dann früher abgebrochen und in ihrem Lieblingsbuch abwechselnd gelesen, Übungen mit lustigen Wörtern gemacht, bei denen sie nichts schreiben musste oder einfach nur gemalt und gebastelt.
Die Matheaufgaben, die sie nicht lösen kann, versuche ich ihr schrittweise zu erklären (Bsp. 7+5 = 7+3+2) oder mit einfacheren, vergleichbaren Aufgaben.
In den letzten zwei Wochen hat sie, was dies betrifft, super Fortschritte gemacht. Inzwischen löst sie ein ganzes Arbeitsblatt, wofür wir zuvor 2h gebraucht hätten, in wenigen Minuten fast fehlerfrei.
Texte kann sie mittlerweile verständlicher und flüssiger vorlesen und auch schneller mit weniger Fehlern schreiben. Wenn sie ein Wort nicht versteht, fragt sie nun sofort nach. Ich habe auch den Eindruck, dass sich ihr Wortschatz um einiges vergrößert hat.
Wenn wir besonders schnell mit Mathe und Deutsch fertig sind, bringe ich ihr manchmal noch neue englische Wörter bei, weil ihr das so viel Freude bereitet oder wir denken uns Reime mit Fantasiewörtern aus (zB.: „Der große Riese spielt auf der Griesbreiwiese“).
Jetzt in der Weihnachtszeit haben wir anschließend immer noch gebastelt oder gemalt.

Ich denke, auch Vanessa sieht diese Zeit weniger als „Nachhilfe“ sondern mehr als Zeit, in der sie mal die volle Aufmerksamkeit von jemanden bekommt. Zumindest habe ich den Eindruck, dass es ihr Spaß macht und sie zufrieden ist, wenn die Hausaufgaben erledigt sind.